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Die Schwarzen und das Priestertum - Antischwarze Doktrin der Kirche - Am Beispiel der Mormonenkirche 3/3

Weitere Aussagen gibt es von David O. McKay und anderen. Für die Mitglieder der Kirche entsteht durch diese kontroversen Aussagen ein Konflikt. Hatten nun die Propheten seit Brigham Young Recht oder nicht, denn beide Aussagen können mit keiner Berechtigung gleichzeitig existieren. Dieses Beispiel zeigt die Problematik der mormonischen Offenbarungen und Prophezeiungen sehr gut auf. Bruce R. McConkie machte nach der Änderung im Jahre 1978 folgende Aussage:

„ Vergesst alles, was ich gesagt habe oder was Präsident Brigham Young oder Präsident George Q. Cannon oder wer sonst in der Vergangenheit etwas Gegensätzliches zur gegenwärtigen Offenbarung gesagt hat. Wir sprachen mit eingeschränktem Verständnis und ohne das Licht und Wissen, das jetzt in die Welt gekommen ist.“ (24)

So einfach kann man einen wichtigen Teilbereich dieser Doktrin, der über 150 Jahre in der Kirche gelehrt wurde, unter den Tisch kehren und zunichte machen. Es kommt eine neue Offenbarung und alles andere zählt nicht mehr. Kann es wirklich sein, dass sich Generationen von Propheten und Generalautoritäten geirrt haben? Warum hat Gott nicht längst eines seiner „Sprachrohre“ zu dieser längst überfälligen Entscheidung inspiriert oder gesagt, dass man sich geirrt hat? Und wenn sich diese vielen Männer in einer so wichtigen Sache getäuscht haben, warum können sie sich dann nicht auch in anderen Punkten der mormonischen Lehre täuschen? Laut einer der obigen Aussagen von Brigham Young müsste das Priestertum nach dieser Offenbarung verloren sein. Ist die Kirche heute ohne Vollmacht? Dies sind Konflikte und Probleme, die in der Kirche gerne verdrängt oder wegdiskutiert werden.Man muss hier bemerken, dass es sich bei der Änderung von 1978 nur um den Zeitpunkt des Erhalts des Priestertums gedreht hat. Die Lehre der Kirche über die Herkunft der Schwarzen, den Fluch und alles was damit in Verbindung steht, hat sich nicht geändert.

Nun, diese interne Problematik über Offenbarungen und Prophezeiungen führt uns nicht weiter, sondern wirft nur ein sehr fragliches Licht auf die Kirche. Was hat nun wirklich zu dieser Entscheidung im Jahre 1978 geführt? Im Jahre 1890 wurde die erste Amtliche Erklärung der Kirche gegeben. Damals wurde die Praxis der Polygamie offiziell von der Kirche aufgegeben. Auch damals sagte man, es sei eine Offenbarung gewesen. Betrachtet man aber den Druck unter dem die Kirche stand, so erkennt man, dass es sich hier um eine unausweichliche Entscheidung gehandelt hat, die die Kirche hatte treffen müssen - mit oder ohne Offenbarung. Die Kirche hätte Verfolgung auf sich gezogen und nicht mehr wachsen können. Führer der Kirche und jeder, der in die Praxis verwickelt gewesen wäre, hätte ins Gefängnis müssen. Ein Zustand, der sicherlich nicht gewollt war.

Diesem Druck war die Kirche auch in den 60er und 70er Jahren ausgesetzt. So lange auch in der Öffentlichkeit eine rassistische Haltung gebilligt war, konnte die Kirche mit ihrer Lehre leben. Nachdem aber, wie anfangs beschrieben, die Zeiten sich geändert hatten und auch in Amerika ein Gesetz zur Gleichstellung der Rassen erlassen wurde, geriet die Kirche zunehmend unter Beschuss. Die öffentliche Kritik schadete der Kirche. Zudem begann sich Widerstand von Innen breit zu machen. Viele Mitglieder erkannten schon lange, dass sich in der Haltung der Kirche etwas ändern musste. 1967 schrieb ein Sekretär der Kirche, namens Stuart Udall, in einem Brief folgendes:

„Es war unabwendbar, dass die nationale Aufmerksamkeit auf das, was die Kritiker 'Anti-Schwarzen-Doktrin' der HLT-Kirche nennen, gerichtet wird, da die Kirche vermehrt ein Gegenstand des öffentlichen Interesses wird und diese sich sicherlich intensivieren wird...Dieses Problem muss gelöst werden... Es muss gelöst werden, denn wir irren uns und es ist längst Zeit, dass wir das Richtige sehen. Wenn wir hier versagen, wird es unserem Glauben schaden, dem Geist und der Moral unserer Jugend schaden und die Integrität unserer christlichen Ethik untergraben.“ (25)

Es wurde sogar zu Demonstrationen in Salt Lake City aufgerufen. Diese sollten zur Oktoberkonferenz 1978 auf dem Temple Square stattfinden. Neben den großen Problemen, die sich für die Kirche durch zunehmende Kritik auftaten, ergaben sich weitere Probleme in Brasilien. Die kircheneigene Deseret News gab am 10. Juni 1978 zu:
„ Ein Hauptproblem, dem die Kirche mit ihrer Schwarzenpolitik gegenüber stand, befand sich in Brasilien, wo die Kirche einen Tempel baut. Viele Menschen sind dort Mischlinge und es ist oft nicht möglich festzustellen, ob Mitglieder der Kirche schwarze Vorfahren haben.“ (26)
Dieses Problem war schon seit längerem bekannt. In einem Artikel in Dialogue von 1973 kann folgendes nachgelesen werden:

„ Die Entscheidung, das Priestertum jedem von schwarzer Abstammung vorzuenthalten (egal wie weit zurück), hat das theoretische Problem der Priestertumseignung gelöst, war aber keine Hilfe für das praktische Problem der Identifizierung des 'Blutes von Kain' in denjenigen, von denen man nicht weiß, ob sie schwarze Vorfahren haben .... Das Wachstum der internationalen Kirche brachte klar neue Probleme. Brasilien war besonders schwierig .... Später in diesem Jahr berichtete J. Ruben Clark, Erster Ratgeber von George Albert Smith, dass die Kirche in einer Situation der Missionsarbeit involviert war...bei der es schwierig wenn nicht gar unmöglich zu sagen war, wer Negerblut hat und wer nicht. Er sagte, dass wenn wir Brasilianer taufen, dann taufen wir aller Wahrscheinlichkeit nach Menschen mit Negerblut und wenn das Priestertum diesen übertragen wird, und dies geschieht zweifellos, dann stehen wir einem sehr ernsten Problem gegenüber.“ (27)

Mit der Öffnung des Tempels in Brasilien ( der am 30. Oktober 1978 fertiggestellt wurde ), wäre die Kirche, ohne Änderung ihrer Schwarzenpolitik, vor einem unlösbaren Dilemma gestanden. Auch hier, wie bei der Entscheidung zur Polygamie, musste also unbedingt eine Lösung gefunden werden.Diese Probleme bestanden aber nicht nur in Brasilien. Das Time Magazine berichtete im Jahre 1958 von einer Studie, die besagte, dass im Jahre 1950, 21% der amerikanischen Bevölkerung schwarze Vorfahren hatten.

Durch die Ahnenforschung fanden viele Mitglieder heraus, dass auch sie solche Vorfahren hatte, was zu erheblichen Problemen führte. Manche verschwiegen diese Tatsachen und andere ließen sich ihrer Priestertumsrechte entheben. Heilige Handlungen, die durch solche vollzogen wurden, mussten teilweise wiederholt werden.Wie sieht man nun heute, über 20 Jahre nach diesen Veränderungen, diese Problematik in der Kirche? Prinzipiell stellt man unter den Mitgliedern unterschiedliche Haltungen fest. Man möchte, wie auch mit der Polygamie, das Thema gerne in die Vergangenheit verdrängen. Es wird weiterhin versucht, Erklärungen zu finden, wobei die fundamentale Lehre immer noch Bestand hat. Wenn auch nicht mehr von der Kanzel gepredigt, so wird sie doch intern weiterverbreitet und gebilligt. Dies ist auch daran ersichtlich, dass noch viele erhältliche Bücher der Kirche Erklärungen dieser Art beinhalten. Eine Ausgabe der Salt Lake Tribune von 1998 bemerkt folgendes:

„ Die Lehre über den Fluch schwarzer Menschen, die seit über 125 Jahren von der Kirche unterstützt wird, kann nicht aus dem Gedächtnis des wahren Gläubigen gelöscht werden, in dem man sagt, dass die Schwarzen nun das Priestertum tragen dürfen. BYU Professor Eugene England bestätigt in der Tribune vom 19. Mai, dass eine 'Mehrheit der intelligenten, gut ausgebildeten mormonischen Studenten immer noch an die Theorie des Fluches der Schwarzen glauben'. Einfach gesagt führt dies zu Rassismus. Diese Gefühle des Höhergestelltseins werden viele davon abhalten, Schwarze als Gleichgestellte oder Führer zu akzeptieren.“ (28)

Viele Aussagen früherer Generalautoritäten, wie oben angeführt, werden als deren "persönliche Meinung" deklariert und nicht als offizielle Lehre der Kirche. Dies macht es natürlich einfacher, ist aber ein Trugschluss. Man distanziert sich also, ohne von der Lehre an sich wirklich abzulassen. Kürzlich machte meine Frau eine Anfrage bei F.A.R.M.S. zu diesem Thema. Der Mormonengelehrte Mathew Rooper antwortete sehr umfangreich. Er schrieb u.a.:

„ Was war der Hauptgrund dafür, dass Schwarze das Priestertum nicht empfangen konnten? War es nur der eine Teil in der Köstlichen Perle, auf den sich die Kirche beruft? Man muss unterscheiden zwischen 1) der Politik der Priestertumsrestriktion selbst und 2) Theorien, die gegeben wurden, um diese Politik zu rechtfertigen.“ (29)

Rooper versucht herauszustellen, dass sich diese Lehre nicht allein auf das Buch Abraham oder Brigham Young stützt, sondern dass es sich bei der ganzen Sache um ein Gesetz Gottes handle, welches auf göttlicher Offenbarung beruhe und bezieht sich dabei auf Aussagen von Brigham Young:

„ Der allmächtige Herr hat es so beschlossen und wer kann dagegen etwas tun? Menschen können es nicht, die Engel können es nicht und all die Mächte der Erde und des Himmels können es nicht hinweg nehmen....“ (30)

Sehr Interessant! Brigham Young sagte nämlich auch, wie oben zitiert, dass der Tod bei einer Rassenvermischung des weißen, "auserwählten" Mannes mit den Schwarzen unumgänglich ist und dies ein "Gesetz Gottes" sei. Die Diskussion hat hier eigentlich schon ein Ende. Denn so unsinnig und unerfüllt dieses angebliche Gesetz ist, so fragwürdig und absurd ist das andere, um das es hier geht.Rooper führt weiter an, dass manche Aussagen, die dieses Thema betreffen, nur „Theorie“ seien:

„War die schwarze Hautfarbe ein Zeichen von Unwürdigkeit in der Präexistenz? Diese Theorie findet kein Fundament in den Schriften.....es ist keine Schrift und ich glaube einfach nicht daran.“

Er argumentiert, dass Aussagen von Kirchenführern nicht immer gleichzusetzen sind mit der offiziellen Lehre der Kirche. Dies beträfe vor allem Aussagen von Autoritäten wie Joseph Fielding Smith, die solche als (junge)Apostel und nicht als Propheten tätigten. Nur wer in Harmonie mit der Lehre der Kirche spricht, dessen Aussagen zählen auch zu dieser Lehre. Auch wenn dies in bestimmten Fällen zutreffen mag, so ist an dieser Haltung einiges zu überdenken. Wer entscheidet denn, wann jemand in Harmonie mit dieser Lehre spricht? Zunächst vergisst Rooper, dass diese Aussagen nicht einfach nur von ein paar wenigen gemacht wurden, sondern sie wurden erstens von vielen namhaften Aposteln „und“ Propheten über Jahrzehnte hin gemacht und spiegeln zweitens die allgemeine Haltung der Kirche zur damaligen Zeit wieder. Man kann jetzt nicht hingehen und diese Haltung auf die Meinung ein paar weniger reduzieren. Dies verschleiert die Geschichte und Lehre der Kirche.

Weiter haben diese Apostel ihre Meinung auch dann noch beibehalten, als manche davon Propheten wurden. Es ist ein schwaches Argument, sich hinter einer scheinbar „persönlichen Meinung“ von einzelnen zu verstecken, wenn die gesamte Kirche über 150 Jahre lang diese Meinungen und „Theorien“ nach Innen und Außen vertreten und akzeptiert hat. Rooper pocht auf die „offizielle Lehre“ der Kirche und gibt an, dass diese nur auf Grundlage der Schriften zu finden ist. Da wären wir ja nun mal wieder bei unserem mormonischen Problem. Was ist eigentlich die offizielle Lehre der Kirche? Wo ist sie zu finden? Rooper muss sich bewusst sein, dass auch seine Meinung nur die Meinung von F.A.R.M.S. ist und nicht die der offiziellen Kirche. Es wäre interessant, eine Stellungnahme der Ersten Präsidentschaft zu diesem Thema zu erhalten, aber darauf wird man lange warten können. Die Kirchenpolitik war in der Vergangenheit immer eindeutig. Es gibt keine offiziellen Stellungnahmen. Man legt sich nach Außen hin nicht fest und lässt intern die Dinge weiterlaufen. Die bewegliche Welt des Mormonismus kommt wieder zum Vorschein.

Da, wo Aussagen von Generalautoritäten nützlich sind, werden sie herangezogen und gelten, wenigstens für die normalen Mitglieder, als Dogma. Es würde sich doch niemand wagen und es wäre auch absolut inakzeptabel für die Kirche, wenn jemand auch nur annähernd die Aussagen von Autoritäten der Kirche hinterfragen würde. Eine geschickte Politik, die zum einen die Linientreue der Mitglieder gewährleistet und zum anderen Platz für mögliche Umgehungsmanöver lässt, um öffentlicher Kritik zu entweichen. So war es immer. Der einzig richtige Weg wäre, den Unsinn dieser gesamten Lehre abzuschaffen und sich zu den Fehlern der Vergangenheit zu bekennen. Es gibt keinerlei Grundlage für die Anti-Schwarzen-Doktrin der Kirche. Sie ist ein Relikt aus dem 19. Jahrhundert und ein äußerst schlechtes obendrein. Im Namen Gottes eine solche Lehre zu verkünden ist in meinen Augen fahrlässig und unverantwortlich und entbehrt jeglicher christlichen und human orientierten Ethik. An diesem Punkt lässt sich der Wahrheitsanspruch der Kirche sehr gut messen. Rooper macht Abstriche, hält aber an der grundlegenden Lehre fest. Andere gehen in der Kirche noch weiter und fordern eine komplette Haltungsänderung.

Die Kirche kann aber, selbst wenn sie es wollte, niemals zu einer solchen Änderung gelangen. Sie steckt in einer Zwickmühle, aus der sie nicht herauskommt. Würde man den Fehler eingestehen, so hätte man den ersehnten Frieden mit der Öffentlichkeit - aber für einen zu hohen Preis. Man müsste eingestehen, dass Generationen von Generalautoritäten sich geirrt haben und keinerlei Inspiration oder Offenbarung hinter all dem stand. Undenkbar. Und so existiert sie weiter in den Köpfen vieler Mitglieder, die Lehre von Fluch und Minderwertigkeit - auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts.


(1) Die Bibel, Genesis 4:15

(2) Salt Lake Tribune, Black Curse Is Problematic LDS Legacy, 6. Juni 1998, S.C1

(3) HLT Prophet Brigham Young, Journal of Discourses, Band 7, S.290, 1859

(4) HLT Apostel Bruce McConkie, Mormon Doctrine, S.108f., Ausgabe 1966

(5) Das Buch Mormon, Alma 3:6

(6) Die köstliche Perle,Buch Abraham 1:21,26,27

(7) HLT Apostel Bruce R. McConkie, Mormon Doctrine, p.527, Ausgabe 1966

(8) Andrew Jenson,L.D.S. Biographical Encyclopedia, Band 3, S.577

(9)Siehe Abbildung in Tanners, Mormonism - Shadow or Reality, S.270

(10) Eine Aufzählung ist zu finden in Dialogue: A Journal of Mormon Thought, Winter 1969, S.91f.

(11) HLT Apostel Mark E. Peterson, Race Problems - As They Affect The Church, S.7

(12) HLT Prophet Brigham Young, Journal of Discourses, Band 10, S.110, 1863

(13) HLT Apostel Bruce R. McConkie,Mormon Doctrine, S.527f., Ausgabe 1966

(14) HLT Prophet Brigham Young, Journal of Discourses, Band 7, S.290, 1859

(15) HLT Prophet John Taylor, Journal of Discourses, Band 22, S.304, 1881

(16) Lehre und Bündnisse, Amtliche Erklärung Nr. 2

(17) Salt Lake Tribune, 13. Juni 1978

(18) Deseret News, 10. Juni 1978, S.1A

(19)HLT Prophet Brigham Young, Journal of Discourses, Band 2, S.143, 1854

(20)HLT Prophet Brigham Young, Brigham Young Addresses, Ms d 1234, Box 48, Folder 3, 5.
Februar, 1852, zitiert in Bob Witte: Where Does It Say That? S.2ff.

(21)Brigham Young, Journal of Discourses, Band 2, S.143

(22) Joseph Fielding Smith, Der Weg zur Vollkommenheit, 1. deutsche Ausgabe 1936, S.102

(23)Seattle Magazine, Dezember 1967, S.60

(24) Bruce R. McConkie, All Are Alike Unto God, S.1

(25)Dialogue, A Journal of Mormon Thought, Sommer 1967, S.5f.

(26)Deseret News, 10. Juni 1978

(27) Lester Bush Jr., Dialogue: A Journal of Mormon Thought,Frühling 1973, S.41

(28)Salt Lake Tribune,Repudiate Racist Past, 16. Juni 1998, S.A10

(29) Aus einer Email im Frühling 2000 von F.A.R.M.S. an uns.

(30) Brigham Young, Ansprache vor der Utah Legislative am 5. Februar 1852, zitiert in Fred Collier, The Teachings of President Young, S.43


*Der Titel des Artikels wurde geändert. Es wurde genauso ein Zitat von M.L.King entfernt.

23 .03. 2007

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