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Weißer Rassismus und Regime-change in Afrika

Weißer Rassismus und Regime-change in Afrika

von Werner Pirker

Nach Libyen hat sich der unter dem Kriegstitel »Menschenrechtsverteidigung« agierende Brutalo-Imperialismus mit der Elfenbeinküste (Côte d’Ivoire) einen weiteren souveränen Staat vorgeknöpft. Von der westlichen Agressionsgemeinschaft mit Waffengewalt erzwungene Regimewechsel sind zum Gewohnheitsrecht geworden. Das auf der Staatensouveränität und der formalen Gleichberechtigung aller UN-Mitgliedsstaaten beruhende Völkerrecht wird sukzessive in Richtung des »Responsability to protect«-Prinzips umgedeutet. Fände die »Schutzverantwortung« auch ihre formale Anerkennung, dann hätte sich das Völkerrechtsregime zugunsten der westlichen Willkürherrschaft endgültig selbst abgeschafft.

Es ist der blanke weiße Rassismus, der sich gegenwärtig in Afrika Geltung verschafft. Ein Rassismus, der sich als humanitärer Aktionismus geriert. In Libyen wie in Côte d’Ivoire soll ein dem Westen verhaßtes durch ein ihm höriges Regime ersetzt werden. Der Bombenterror gegen Libyen, dem Regierungssoldaten, aber auch Zivilisten in Massen zum Opfer fallen, läuft unter der Operationsbezeichnung »Schutz der Zivilbevölkerung vor den Ghaddafi-Schergen«. In der Elfenbeinküste ist es der freie Wählerwille, dem mit Bomben und Granaten zum Durchbruch verholfen werden soll. Die Interventen wissen zwar nicht genau, wie er wirklich lautet, doch sehr genau, wie er zu lauten hat.

Das Schicksal eines Landes werde bei »einer Pokerpartie ausländischer Mächte« ausgetragen, meint Laurent Gbagbo, der nicht zum Abtreten bereite und deshalb von der Aggressionsgemeinschaft zum Abschuß freigegebene Präsident der Elfenbeinküste. Als der risikofreudigste unter den Kriegsabenteurern gefällt sich der Schrumpfgallier mit Migrationshintergrund. Nach den Ereignissen in Tunesien und Ägypten als einer der eifrigsten Unterstützer arabischer Despoten in Verruf gekommen, gefällt er sich seit Ausbruch des libyschen Bürgerkrieges in der Rolle eines Revolutionsgenerals, der die in Frankreich geborene Tradition eines »hochgesinnten Interventionismus« weiterträgt.

Doch Monsieur Sarkozy verkörpert nicht den emanzipatorischen Gehalt der »Grande Nation«, sondern die Gegen-Emanzipation. Die Tradition des Vichy-Regimes und der Algerienfranzosen. Jenes Frankreichs, das seine Lehrer anhält, die französische Kolonialgeschichte in einem positiven Licht darzustellen. Das macht Sarkozys Engagement für »bedrohte Völker«, deren Regime auch vor einem Genozid am eigenen Volk nicht zurückschrecken würden, vollends unglaubwürdig. Auch wenn man der französischen Aufstandsbekämpfung in Algerien keine völkermörderischen Absichten unterstellt, war der sie tragende rassistische Vernichtungswille offenkundig. Davon zeugen allein die Massaker vom 8. Mai 1945, die Zehntausenden Algeriern das Leben kosteten. Es ist ein schlechter Witz der Geschichte, wenn sich der Neokolonialismus als Befreiungskolonialismus feiert.

07.04.2011

*Teiltitel

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