„For
the past few years, I have enjoyed reading and teaching the work of
Cheikh Anta Diop. His work was first called to my attention
about ten years ago, and I have gradually read the books that
constitute his translated works in English: The African Origin of
Civilization, Black Africa, Precolonial Black Africa, The Cultural Unity
of Black Africa, Civilization or Barbarism, and Van Sertima‘s edition
of Great African Thinkers. Each of these books is a remarkable
revelation itself, but taken together, they present a kind of
stellar constellation in contemporary scholarship. If it was
Asante who brought us the word Afrocentrism, then it must have
been Diop who, before the word, brought us the light. But first, why
would a white scholar take interest in Afrocentricity ? Well, the
first dictum of philosophy is to know yourself, and
Afrocentricity helps me to know myself.“ (Greg Moses, 1996)[1]
Diese
Theorie ist Anfang der neunziger Jahren von Prof. Molefi Kete
Asante(Temple University, USA), einem der Protagonisten der Gründung
der „Black Studies“, begründet worden. Seitdem hat es viele
Kontroversen darüber gegeben, insbesondere seitens „weisser“ Gelehrter.
Ich gewann den Eindruck, die Kritiker hätten ihn nicht gelesen. Man warf
ihm oft Separatismus oder sogar Rassismus vor, ohne diese jedoch nach
den règles de l´art (üblichen Arbeitsmethoden, also kunstgerecht) zu
belegen. Seine Theorie unterscheidet sich bezüglich der Vorgehensweise
kaum von der der post-kolonialen Theorie. Die Nuance besteht in seinem
besonderen Fokus auf Afrika und der ‚Ent-Rassifizierung und
Dekolonisierung‘ der Wissenschaft.[2]
Einer
seiner Forderung ist, Afrika und die Afrikaner aus der
eurozentristischen epistemischen und kolonialen Hypnose zu befreien: „Afrocentricity
is ‚a perspective which allows Africans to be subjects of historical
experiences‘rather than objects on the fringes of Europe. This means
that the Afrocentrist is concerned with discovering in every case the
centered place of the African. Of course, such a philosophical stance is
not necessary for other disciplines; it is, however, the fundamental
basis for African or African American Studies. Otherwise, it seems to
me that what is being done in African American Studies at
some institutions might successfully be challenged as duplicating
in content, theory, and method the essentially Eurocentric
enterprises that are undertaken in the traditional departments.“(Asante, 1999: 111) Asante
schreibt sicherlich sehr defensiv und fordert auch u.a. die
Rehabilitation der ‚klassischen‘Spiritualitäten der Afrikaner, die –
seiner Meinung nach – erst die chronische Entfremdung der Afrikaner
entscheidend reduzieren würde. Ihm aus solchen
Gründen ‚Ideologie‘, ‚schwarzer Rassismus’oder
‚Essenzialismus‘vorzuwerfen, ist für mich eine pure Hypokrisie. Ich
kenne keine Völker, deren Eliten aller Couleurs bis die der
afrikanischen Völker, die mit solchen drängenden Fragen anders
umgehen. Ama Mazama betont: „[...] Afrocentricity inscribes itself firmly within Diopian project for a new historiography[3],
one which refuses to make African history start with the European
so-called ‚discovery‘, but one that goes back to the beginning of life
and civilization in Africa, and links all Africans back to that first
development[..] “(Ama Mazama, 2003: 22)[4]
Denn ‚Geschichtsschreibung‘ ist – jenseits aller ‚wissenschaftlichen‘ Rhetorik[5] im Gegensatz zu den Naturwissenschaften – immer zuerst eine Frage der (nationalen oder kontinentalen) Interessen[6]
und des ‚historischen Bewußtseins‘, um sowohl die Gegenwart besser zu
verstehen und gestalten als auch die Zukunft ‚realistisch‘und besser zu
gestalten. Die Sympathie‘gegenüber einem Forschungs- oder
Arbeitsfeld ist auch eine nicht zu unterschätzende, wenn nicht
sogar eine entscheidende Voraussetzung , um eine Forschungs- oder
historiographische Arbeit ‚objektiv‘zu tätigen. All dies bedeutet
andererseits nicht, dass der Historiker oder Geisteswissenschaftler
sich der Willkür zu bedienen hat, um seine Thesen zu formulieren.
Insbesondere, wenn es darum geht, die ihm zur Verfügung stehenden Daten
und Quellen ‚kunstgerecht‘auszulegen und abschließend auszuwerten.[7]
Eine
jegliche ernst zu nehmende Kritik sollte sich u.a. nur auf solche
‚Anforderungen‘konzentrieren. Martin Bernal sieht das Problem wie
folgt: „For the past hundred and fifty years, historians have
claimed to posses a ´method´ analogous to those used in natural science.
In fact, ways in which the modern historians differ from the
´prescientific´ ones are much less certain. The best of the earlier
writers were selfconscious, used the test of plausibility and tried
to be internally consistent. Furthermore, they cited and evaluated their
sources. By comparison, the ´scientific´ historians of the 19th
and 20th centuries have been unable to give formal
demonstrations of ´proof´ or establish firm historical laws. Today,
moreover, the charge of ´unsound methodology´ is used to condemn not
merely incompetent but also unwelcome work. The charge is unfair,
because it falsely implies the existence of other methodologically sound
studies with which to contrast it.“(Bernal, 1987: 8)
Es
ist daher für die Kolonisatoren antinomisch gewesen, die Geschichte der
Kolonisierten mit jeglicher Sympathie zu schreiben. Genauso konnten die
Nazis die Juden und deren Geschichte ‚selbstverständlich‘nur bösartig
und als ‚Finsternis‘darstellen.[8] Denn Alles andere
würde bedeuten, das ‚Undenkbare‘ darstellen zu wollen. Hier
würden nicht nur Kategorien versagen, sondern eben die
‚rassifizierte‘ Ontologie keinen Boden unter den Füßen mehr haben.
P. Bourdieu beschreibt das ‚Undenkbare‘ als dasjenige oder eine
Ereignis, zu deren Erfahrung die geeigneten oder notwendigen
begrifflichen Werkzeuge fehlen.(Bourdieu,1987) Die heutige Aporie des
‚Neo-Kolonialen Zeitalters‘fußt auf der gleichen Logik. Wie kann man
sich überhaupt vorstellen, dass die ‚reichen‘, ‚humanistischen‘Europäer,
‚Begründer und Wächter der Menschenrechte‘und ‚Erfinder der
Demokratie‘Afrika(‚die Armen der Dritten Welt‘) bis heute durch
Pseudo-Kooperationsabkommen und andere politische und
Schulden-Dienstverwaltungen weiter ausbeuten? In dem selbst
erschaffenen und ‚narzisstischen Weltbild‘ der Europäer und einem
‚pseudo-universellen‘, korrumpierten Diskurs ist das Alles ‚undenkbar‘.
Die
Afrocentricity-Theorie geht davon aus, dass bei
Betrachtung und Analyse der afrikanischen ‚Realität‘ die
Afrikaner als bisher neu in ihren ‚wahren‘ ontologischen
Gegebenheiten ‚lokalisiert‘werden müssen. Anders ausgedruckt, Afrikaner
haben sowohl in der Historiographie als auch anderen
philsophisch-soziologisch-geisteswissenschaftlichen Disziplinen nicht
als bloße Objekte, sondern als Subjekte und Akteure integriert zu werden.
Hiernach haben alle Analysen der afrikanischen Welt und
Geschichte von ihren eigenen Erfahrungen und Perspektiven
auszugehen, sich von allen willkürlichen negativen
Prämissen(z. B. linguistisch wie: Hottentot, Pygmeen,
Buschmänner, Häuptling, Stamm, heidnisch, dunkler Kontinent, Dritte
Welt, Indianer, Entwicklungshilfe, etc.) zu befreien und sich schließlich hermeneutisch und epistemisch jenseits des Eurozentrismus[9]
zu situieren. Es geht hier um ein Problem der ‚zentralen
Verortung‘ der Afrikaner als Akteure ihrer eigenen Kosmogonie,
Kosmologie, Ontologie und nicht zuletzt ihrer eigenen Geschichte „in time and space“, die bis heute fremd bestimmt ist. Dies hat mit der ‚Negritüde‘[10] oder „Black Nationalism“[11] wie Patricia Hills Collins (H. Collins, 2006)[12] behauptete nichts zu tun.
Die
‚Zentralität‘ oder die ‚Lokalisation‘, die Asante ‚location‘ in
der kritischen historiographischen Analyse der ‚afrikanischen
Realität‘und Geschichte nennt, begründet er mit der Tatsache, dass
„based on historical analysis, that no phenomenon can be apprehended adequately without fist being located.“
(ebd.: 25) Kein Phänomen kann richtig verstanden werden, wenn es nicht
(richtig ) ‚lokalisiert‘oder ‚verortet‘worden ist. In diesem
Zusammenhang ist die ‚location‘der prinzipielle Grundpfeiler der
‚Afrocentricity Methode‘. Phänomen bedeutet hier, „any
situation, event, text, or personality, must be studied and
analysed in relationship to psychological time and space.“(ebd.)
Das Phänomen muss lokalisiert werden. Es sei die einzige
Möglichkeit, um die komplexe Inter-Relation zwischen Wissenschaft und
Kunst, Design und Umsetzung, Kreation und Pflege, Generation und
Tradition und anderen der Theorie unterliegenden Bereichen sinnvoll zu
untersuchen. Das Phänomen darf jedoch nach seinem Verständnis nicht
statisch sein.
Die Afrocentricity als eine Sozial-Theorie ist auch kein Afrocentrism oder Afrozentrismus wie es sich zumindest im deutschsprachigen Raum etabliert hat.[13] Eine korrekte Übersetzung des Brigriffs würde an sich nicht ‚Afrozentrismus‘, sondern ‚Afrozentrizität‘ ergeben.
Seine raison d´être liegt auch nicht darin, ein
Anti-Irgendwas partout zu sein, sondern eine – vor allem
– ‚befreiendende‘ und ‚existenzielle‘ Sozial-Theorie zu sein. Der
Begriff ‚Afrozentrismus‘ insbesondere im deutschsprachigen Raum ist
mit einer diskreditierenden Absicht verbunden. Mit dem ‚-ismus‘wird hier
signalisiert, dass es schon semantisch um eine ‚rein ideologische‘
quasi ‚religiöse‘, jenseits aller ‚Methodologie mit
wissenschaftlichem Anspruch‘ und ‚Seriösität‘ ‚Bewegung‘ handelt.[14]
Sie sei eine ‚Black-Pride‘-Bewegung, um den Schwarzen ein
neues Selbstwertgefühl nach dem Traumatismus der
Jahrhundert-langen Deportation und Versklavung der Afrikaner zu erhöhen.
Dass solche Pseudo-Kritiken einen tiefverwurzelten Anti-Schwarzen
Rassismus und Verachtung jeglicher Emanzipation der Schwarzen
verrät, möchte ich hier nicht weiter vertiefen.
Für Ama
Mazama, einer der führenden Theoretikerin der Afrocentricity an
der Temple University(USA), ist Afrocentricity vor allem ein
Paradigma (Kuhn, 1962). Das Konzept eines Paradigmas kann vieldeutig
sein. Auch Kuhn selber, auf den die Popularisierung des Konzepts
zurückgeht, gibt mehr als zwanzig Definitionen von Paradigma.
Dieser Begriff kommt ursprünglich aus der Linguistik. Das
‚Paradigma‘bezeichnet sowohl lexikalische als auch grammatische
Kategorien, die sich komplementär verteilen. Als Wissenschaftsphilosoph
ging es ihm insbesondere darum, zeigen zu können, dass es
möglich ist, ein Modus der wissenschaftlichen Lehre und Praxis
als eine allgemein akzeptierte ‚Arbeitsmethode‘zu etablieren. Einige
der Kernpunkte des ‚Paradigma-Konzepts‘bei Kuhn ist die Etablierung von
‚Prämissen‘ „upon which all intellectual inquiries are necessarily based[...].“
Die Frage ist nur, wie solche etablierten ‚Prämissen‘jenseits der
Naturwissenschaften aussehen würden, denn ‚Humanwissenschaften‘sind
komplexer. Die Ideologie in der Historiographie bleibt ein uraltes
Problem.
Der „abnorme Eurozentrismus“, der seit der
‚europäischen Renaissance‘die Weltgeschichte auf den Kopf gestellt hat,
ist ein brisanter Beweis dafür. Es ist hier sinnvoll daran zu erinnern,
dass die Entstehung neuer Dekonstruktions- und Rekonstruktionstheorien
(Post-koloniale Theorie, Kritische Weißseinsforschung, Gender Theorie,
Afrocentric Theorie etc.)[15] nur eine logische
Konsequenz der ‚eurozentristischen Verwüstung‘ der
‚epistemischen Landschaft‘der Welt-Historiographie und der
Geisteswissenschaften ist. Nach Mazama sind zwei Aspekte eines
Paradigmas hier entscheidend, nämlich der kognitive und strukturelle
Aspekt. Der kognitive Aspekt kann weiter in drei
verschiedenen Ebenen(levels) unterschieden werden.(Masterman, 1970)
1) Die metaphysische Ebene[anorganizing prinziple, a set of beliefs],
2)
die soziologische[a set of scientific habits, ‚a disciplinary
matrix‘, ‚the shared commitments of any disciplinary
community‘] (Eckberg&Hill, 1980:118), dies können methodische
Termini sein, ein konzeptuelles Apparat, Techniken, etc.) und
3)
Beispiele (exampels): „the concrete problem solutions that students
encounter from the start of their scientific education,
whether in laboratories, or examinations, or at the ends of
chapters in science texts“ (Kuhn, 1962: 102) Der strukturelle Aspekt
und die drei kognitiven Ebenen stehen in Wechselbeziehung
zueinander: „are embedded within one another. That is, the greater
structure (the metaphysical paradigm) acts an encapsulating unit, or
framework, within which the more restrited, or higher-order,
structur develop. A specific disciplinary matrix will not develop
within just any arbitrary Weltanschuung. An exemplar will be
even further restricted. [...] a paradigm locks ist practitioners
together within a fairly rigid, highly elaborated framework of beliefs.
This is not a serendipitous overlapping of elements from various
perpectives. It is made of the consensual befiels of a
self-contained community. No analysis wihich neglects the communal
nature of a paradigm can capture the essence of the concept.“(Eckberg&Hill, 1980: 122)[16]
Für Ama Mazama sind die Khuns Entwürfe des Paradigmas von einem
‚eurozentristischen‘ Standpunkt nicht zu bemängeln. Für eine
‚Afrozentricity‘-Perspektive sind sie jedoch mangelhaft. Es fehlt
eine wichtige Dimension: „we must add a third and critical aspect to the
cognitive and structural aspects, namely, a functional aspect.“[17]
Von
einer ‚Afrocentric-Perspektive‘ ist ein Paradigma oder eine
‚Wissensproduktion‘ wertlos, wenn sie den erforderlichen
Bedürfnissen nichts nutzen. Ein ‚Afrocentric-Paradigma‘„must active
our consciousness to be of any use for us.“ Bezugnehmend auf
die ‚afrikanische Kultur und Tradition‘[18] sind
neben diesem ‚funktionalen‘Aspekt zwei weitere Elemente zum Khuns
kognitiven Aspekt(als zentral) hinzufügen. Dies
sind die ‚affektiven‘ und ‚konativen‘(conative)[19] Aspekte.
Die
militante Seite der ‚Afrocentricity‘kann auch nicht ignoriert werden,
zumal wenn man den Entstehungskontext der ‚Black Studies‘in den
USA betrachtet. Der ‚revolutionäre‘ Verdienst dieser Theorie
ist es geschafft zu haben, theoretische Rahmenbedingungen oder ein
Paradigma zu konzipieren, nach denen die ‚Afrikanische Welt‘in ihrer
ganzen Komplexität seit ihrem Ursprung jenseits des
dominierenden ‚Westlichen Logos‘(Ontologie und Epistemologie)
analysiert werden kann. Dies hat mit einem Kulturrelativismus oder
einem ‚schwarzen Nationalismus‘–wie ich bezüglich einiger Kritik schon
gesagt habe – nichts zu tun. Diese Kritik entspringt meistens aus zwei Kategorien von Tendenzen. Die erste ist grundsätzlich gegen eine jegliche Auto-Determination der Afrikaner, wogegen die zweite eine solche Selbstbestimmung nur im Rahmen des ‚Westlichen‘Paradigmas tolerieren würde. Dieses Afrocentricity-Paradigma als ‚unakademisch‘ oder wie Mary Lefkowitz in ihrem Buch ‚Not out of Africa‘untertitelte ‚How Afrocentrism Became an Excuse to Teach Myth as History‘ tut, zu verunglimpfen, begründet der britische Alt-Historiker Basil Davidson aus eigener Erfahrung wie folgt: „To
a television series about history of the Africans which I lately had
the good fortune to be able to present to a wide public in many
countries, more than thirty countries I am told, there were of
course some protest and objections. Surprisingly, however, these
were fewere than I had expected. Mostly they came from persons of
evindently fixed opinions who clearly knew little or nothing of
the subject of the programmes, and who made up for their
astonishment at being shown that Africans have a history of their own by
accusing me of bias, exageration or sentimental frailty [...] None of
the these objections has seemed to me warrant serious argument, but was
another, far more solidly based in European culture, which undoubtedly
does warrant such argument and in which, as I think, one can find some
of the crucial origins of established or intellectuel denial of Value to
the cultures of Afrika. This Objection, heard from a number of viewers
in Europe and North America, was against a central theme in the series.
This theme portraiyed Egypt of the Pharaohs, Ancient Egypt before
conquest by the Arabs in the seventh century AD, as a country of black
origins and population whose original ancestors had come from the lands
of the great interior, and whose links with inner Africa remained
potent and continuous. To affirm this, of course, is to offend nearly
all established historiographical orthodoxy. “ (Basil Davidson, 2002: 39)[20]
Für
‚Afrocentricity Paradigm‘-Pioniere wie Marimba Ani ist es genauso neben
einer ‚Afro-Centered‘ Studie „of African phenomena“ wichtig Europa
und dessen Kultur jenseits des ‚Eurozentrismus‘ausführlich zu
studieren. Sie schreibt in der Einführung ihres monumentalen Buches
‚YURUGU: An African-Centered Critique of European Cultural
Thought and Behavior‘: „My chosen field is African-centered
cultural science – the reconstruction of a revolutionary African
culture. I teach Pan-African studies. The experience convinces me more
and more, however, that theaching Pan-African studies well means
theaching European studies simultaneosly. To be truly liberated,
African people must come to know the nature of European thought and
behavior in order to understand the effect that Europe has had on our
ability to think victoriouly. We must be able to separate our thought
from European thought, so as to visualize a future that is not dominated
by Europe. This is demanded by an African-centered view because we are
Africans, and because the future towards which Europe leads us is
genocidal.“(Ani, 1994: 2)
Zu den wichtigsten Protagonisten der ‚Afrocentricity-Theorie‘ gehören neben ihrem Begründer Molefi Kete Asante,
Ama Mazama, Jerome Shiele, Marimba Ani, Maulana Karenga, Norman
Harris, Wade Nobles, Linda James Myers, Asa Hillard, Naim
Akbar, Karimu Welsh-Asante, Danjuma Sinne Modupe, Clenora
Hudson-Weems, Mwalimu J. Shuaa, etc. Neben
diesen Theoretikern gibt es eine massive und
beeindruckende Dekonstruktions- und Rekonstruktionsarbeiten der
afrikanischen(Cheikh Anta Diop[21], Theophile Obenga,
A. M. Lam, B. Sall, Mubabinge Bilolo, etc.), afro-amerikanischen und
zum Teil Westlichen Gelehrten, auf die sie auch oft Bezug nehmen.[22]
Die
wichtigsten Bücher über die ‚Afrocentricity-Theorie‘ als eine
‚Sozial-Theorie‘ sind u.a.: An Afrocentric Manifesto(Asante);
Afrocentricity – The Theorie of Social Change(Asante); The
Painful Demise of Eurocentrism – An Afrocentric Response to
Critics(Asante)[23]; Kemet, Afrocentricity and
Knowledge(Asante); An African-Centered Perspective of History(C.T.
Keto); The Afrocentric Paradigm(Mazama); Yurugu(Ani); Human
Services and the Afrocentric Paradigm(Shiele), Psychologie and the
African Personality(Nobles), etc.
Zusammenfassend können
wir die ‚Afrocentricity-Theorie‘ als ein innovatives
Post-Koloniales Paradigma, das epistemisch endgültig mit dem Kolonialen
und Neo-Kolonialen Paradigma aller Couleurs, nämlich dem
Semitisch-Jüdisch-Christlich-Europäischen Paradigma und ‚Dogma‘über
die Afrikanische Historiographie, aufräumt. Dieses
„Afro-centered“-Paradigma bietet einen kontur-klaren Rahmen, in dem die
epistemische Erkundung der Realitäten der ‚Afrikanischen Völker‘seit
Jahrtausenden koherent und konsistent als die gewöhnliche Frustration
und die damit künstlich erzeugte Aporie.
Dieser epistemischer
Bruch ist an sich eine echte ‚Revolution‘und zugleich die
größte Herausforderung für den größten ‚Schwindel‘ aller
Zeiten, nämlich den „abnormen Eurozentrismus“(Asante, 1999)
mit seiner „Fabrication of Ancient Greece
1785-1980“(Bernal, 1987) Diese ‚Revolution‘
ist auch die größte Herausforderung für die Mehrheit der ‚Afrikanischen
Intellektuellen‘, die sich oft – ‚konnivent‘und aus welchen
Interessen auch immer – mit dem „Aryan versus Ancient Model of historiography“ (Bernal, 1987) arrangieren.
Autor:
Kagemni Djikeungoué Pente (Jean-Baptiste Pente) ist freier Publizist.
Copyright:
Das Urheberrecht liegt ausschließlich beim Autor, April 2009
- Das Mdw Ntr(Hieroglyphen)- Symbol auf der Coverseite heißt Kheper und repräsentiert
den Prozess des Werdens bzw. die Bewegung zur ‚Vollkommenheit‘.
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[1] Die Hervohebungen sind von mir.
[2]
„The central concern of Afrocentricity is to advance the position of
African people in the world by affirming their identity and
contributions, and by unmasking the biases and limitations of Western
culture [..] The goal is not to replace "white" history with "black"
history, or "white" mathematics with "black" mathematics, but rather to
promote a more plausible view of the arts, humanities, social sciences,
and physical sciences as products not of white culture only, but of
human culture, more broadly considered and valued than white elitist
intellectuals would traditionally allow. Thus, Afrocentric scholars
espouse a much more inclusive valuation of human diversity,
rejecting the exclusive, imperialistic, and dehumanizing aspects of
Eurocentric claims to universalism in cultural and intellectual life.“
(Cheryl J. Sanders, S. 12, zitiert von Greg Moses 1996) Die
Hervorhebungen sind von mir.
[3] Cheikh
Anta Diop gilt zurecht als Begründer oder als ‚Befreier‘der
‚afrikanischen Historiographie‘. Die Arbeiten von Prof. Diop sind
enzyklopädisch, d.h. sie decken alle Bereiche der Wissenschaft ab. Über
Diop schrieb der französische Ägyptologe und Historiker, Jean
Devisse in der „Encylopaedia Universalis“, Universalia 1987,
Paris, S. 546-547: „Wenige Historiker haben soviele überkommene Ideen
umgeworfen, soviele Perspektiven umgestürzt und so viele neue Wege der
Forschung eröffnet“. Es ist interessant daran zu erinnern, dass Prof.
Jean Devisse früher eines der schärfsten europäischen Kritiker
Diops gewesen ist. Nach dem UNESCO-Kolloquium über «Die Besiedlung
Altägyptens und die Entzifferung der Meröitischen Schrift» von 1974
fasste Prof. Devisse als Vorsitzender des Protokollkomitees das
Kolloquium wie folgt zusammen: „Although the preparatory working
paper sent out by Unesco gave particulars of what was desired, not all
participants had prepared communications comparable with the
painstakingly reseached contributions of Professors Cheikh Anta Diop
and Obenga. There was consequently real lack of balance in the
discussions... The symposium also enabled specialists who had never
previously had the opportunity of comparing and contrasting their points
of view to discover ohter approches to problems, other sources of
information and other lines of research than those to which they were
accustomed“in: The Peopling Of Ancient Egypt And The Deciphering Of The
Meoroitic Script, Diop, Leclant, Obenga, Vercouter, Karnak Egyptology /
African Studies,USA, 1997, The book was originally published by Unesco
in 1978.
[4] Die Hervorhebung ist von mir
[5]
„Es gibt nämlich sehr wohl auch ein Vorurteil der Aufklärung, das ihr
Wesen trägt und bestimmt: Dies grundlegende Vorurteil der Aufklärung
ist das Vorurteil gegen die Vorurteile überhaupt und damit die
Entmachtung der Überlieferung." (Gadamer, Wahrheit und Methode, 1990:
275)
[6] Dies ist nur eine
Abbreviatur einer Kette historischer Empirie, die im Zeitalter
der ‚rassifizierten‘der Perzeption der Welt und der Historiographie
eine fürchterliche Entwicklung ins Leben rief.(Bernal, 1987)
[7]
„Alle rechte Auslegung muss sich gegen die Willkür von
Einfällen und Beschränktheit unmerklicher Denkgewohnheiten abschirmen
und den Blick‚auf die Sachen selber‘richten (die beim Philologen
sinnvolle Texte sind, die ihrerseits wieder von Sachen handeln). Sich
dergestalt von der Sache bestimmen lassen, ist für den Interpreten
offenkundig nicht ein ehemaliger 'braver' Entschluß, sondern wirklich
‚die erste, ständige und letzte Aufgabe‘. Denn es gilt, den Blick auf
die Sache durch die ganze Beirrung hindurch festzuhalten, die den
Ausleger unterwegs ständig von ihm selbst her anfällt.“(Gadamer, 1990:
271)
[8] „[...] Oder anders gesagt:
Können historische Erzählungen einer Logik folgen, die in der Welt, in
der diese Erzählungen stattfinden, als undenkbar gilt ? Wie schreibt man
eine Geschichte des Unmöglichen ?“(Michel-Rolph Trouillot in ‚Jenseits
des Eurozentrismus‘, 2002: 85)
[9] vgl. die Definition des Eurozentrismus im Kapitel 4.3
[10] Die
‚Negritüde‘, eine literarische Bewegung, ist von Aimé Cesaire, Leopold
Sedar Senghor, Leon Damas und Rabemananjara als Anwort auf die
europäische Negation der Afrikaner und der ‚negativen‘, rassistischen
Hierarchisierung von Kulturen ca. 1930(christlicher ära) in Paris
begründet worden. Ihre Afirmation bestand darin, dass Schwarze
‚auch‘eine Kultur, Kunst, Musik, Tanz etc. haben. Das Schwarzsein wird
entgegen seiner europäischen Degradierung aufgewertet und als schön
dargestellt. Dabei werden sogar einige koloniale Klischees
assimiliert. Das Scheitern der Bewegung liegt ohne Zweifel
an ihrem verantwortungslosen assimilationistischen Aspekt mit
ihrem ‚Black is Beautyful‘-Pendant in den USA. Dagegen konnten auch die
‚poetische Macht‘(vgl. u.a. Cahier d´un Retour au pays natal)
in Anlehnung am ‚Surrealismus‘und der ‚destruktiven‘Kritik (vgl.
u.a. Discours sur le Colonialisme) von Aimé Cesaire nicht helfen, da
die zentrale Frage der Wissensproduktion und -Kontrolle über die
Schwarzen durch Europa seit Jahrhunderten nicht konsequent in Frage
gestellt wurde. Die Krönung der absurden Seite dieser Bewegung brachte
Leopold Sedar Senghor zum Ausdruck: „Die Vernunft ist hellenisch und die Emotion ist negerhaft.“ (Mbacke Diop, 2006) Ama Mazama konstatiert: „Quite
ironically, however, the apostles of Negritude, in particular Senghor
and Cesaire, never fully succeded in removing themselves from the French
cultural/intellectual matrix, despite their repeated assertions about
the beauty and worth of African culture. For example, Cesaire, in his
famous ‚Return to my native land‘, did not hesitate to refer to the
Black man as „one who has never invented anything“, while Senghor did
not have any qualms indentifying rational thinking as fundamentally
European.“ (Ama Mazama, 2003: 17)
[11]
„Afrocentricity and Black Nationalism are two different concepts. One
concept refers to a philosophical paradigm and the other refers to a
political ideology. This must be clear in order to proceed with any
reasonable possibility of discovering truth. Afrocentricity is an
intellectual idea that suggests that African people must be viewed and
must view themselves as agents in the historical process. Black
Nationalism is a political ideology that asserts that African people
must be self-defining, self-determining, and self-actualising within the
context of a collectivity born out of struggle. You connot
collapse one idea onto another and hope to have any
clarity.“(Asante, 2007: 21)
[12] Zitiert von Asante, ebd: 24
[13] Eine kurze Internetsuche mit „Google.de“offenbart eine regelrechte Desinformation über die „Afrocentricity-Theorie“
[14]
Hierzu schreibt Asante selber: „Hill Collins speacks of
‚Afrocentrism‘instead of ‚Afrocentricity‘. What is telling about this
shift is that Afrocentricity has never claimed the status of a
religion, quasi- or formal; therefore, to use the word
‚Afrocentrism‘in the sense of a belief system is to miss the entire
point of the discourse on Afrocentricity that is going on in the
African world. There is an eagerness here to define the idea as a
religion. Only those who are anti-Afrocentricity define the idea as
Afrocentrism. “(Asante, 2007 : 22-23)
[15]
Hierzu kann man der ‚Postmodernismus‘jedoch als ‚Bewegung‘dazu
zählen. Diese Bewegung bleibt jedoch eurozentristisch geprägt.
[16] Sowohl Eckberg&Hill als auch Kuhn werden von Ama Mazama zitiert in: An Afrocentric Paradigm, S. 7 ff
[17] Die Hervorhebung ist von mir.
[18]
„This requirement is reminiscent of the tradition that existed
in Acient Kemet(Altägypten: meine Anmerkung) when the priests opened
the moth of the statues of gods, in oder to insufflate life and
consciousness in them, thus allowing them to serve the people who served
them. Just like without that spiritual act the statues would have
remained pieces of rock, without the right type of energy, any set of
ideas and practices is unable to move us, and in any case, remains
largely irrelevant to our lives. The ultima test will be our praxis.“
(Ama Mazama, 2003: 8)
[19] Ableitung aus
KONATION: „Eine Konation (lat.: conatio - das Bemühtsein,
Anstrengung) ist eine entscheidungsbezogene Absicht bzw. Intention,
aus eigenem Antrieb heraus wollend, die Tendenz habend, eine Handlung
vorzunehmen. Die Abgrenzung zu kognitiv und affektiv ist selten scharf
möglich.“
[20] Die Hervorhebungen sind
von mir; vgl. Egypt Revisited, Ivan Van Sertima(Hrg.), Transaction
Publishers, 2002. Vgl. auch u.a. die Artikel von Greg Moses:
‚Mary Lefkowitz´s problem with the Classical History‘,
‚Afrocentricity as a Quest for Cultural Unity: Reading Diop in
English‘und ‚By the Dog of Egypt - Plato's Engagement with Egyptian
Form, and the Scholarship of Cheikh Anta Diop‘(vgl.
Bibliographie, „Internet-Quellen“)
[21]
Für die zentrale Bedeutung Cheikh Anta Diops und die „DIOPianische
Revolution“für die afrikanische und Welt-Historiographie vgl. u.a.
Ama Mazama, 2003: 22; Harding/Reinwald, 1992; Great African
Thinkers: Cheikh Anta Diop, Ivan Van Sertima(Hrg.), 2001;
Cheikh Anta Diop: An Intellectual Portrait, M.K. Asante(Hrg.),
2007; Cheikh Anta Diop ou L´honeur de penser, J.M. Ela(Hrg.),
1991; Cheikh Anta Diop: L´Homme et l´Oeuvre, Cheikh Mbacke
Diop(Hrg.), 2001 und das IDIH-Projekt über "Intellectual
History"(Geistesgeschichte): International Dictionary of
Intellectual Historians (IDIH), Diop, Cheikh Anta: Main Work and
Biography; Ulrich Johannes Schneider(IDIH-Projekt-Betreuer),
Universitätsbibliothek Leipzig.
[22]
Diese Historiker haben sich jedoch nie als Afrozentriker oder
Ähnliches gennant. Daher ist es doch aus meiner Sicht problematisch,
wenn Asante sie alle als Afrozentriker tituliert. Auch wenn das
Paradigma dieser Historiker nach Asante als „Afrocentric“ zu nennen ist,
haben manche Kritiker, zu denen ich auch gehöre, ein Problem damit,
alle Historiker, die sich der Rehabilitierung der Geschichte Afrikas
gewidmet haben, als Afrozentriker zu nennen. Das Konzept und die
Theorie der Afrozentricity ist hier nicht das Problem, aber der
Begriff, insbesondere seine Ethymologie – oft als Pendant zum
Eurocentrism(oder Eurozentricity)verwechselbar, gibt Anlass zu bedenken.
Auch wenn Asante sich gegen diese oft offensichtlich absichtliche
Verwechslung der Begriffe „Afrocentricity und Afrocentrism“ wehrt, muss
man realistisch zugeben, dass seine Gegner die Schwäche dieses Begriffs
ausnutzen, um nicht nur Konfusionen zu stiften, sondern um diese
Theorie zu diffamieren. Ein Beweis dafür sind die (wenigen)
Scheinkritiken und die allgemeine stillschweingende Verwerfung der
„Afrocentricity-Theory“ in Europa und in der sogennanten „white
dominated academy“.
[23] „To speak of
the demise of Eurocentrism is not the same as to speak of the
demise of Europe or of Europeans“ (M.K. Asante, 1999: Vii)
05.06.09
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